WiB 14./15. März Alles neu mach der Mai…äh, März!

FREITAG

Naja, ich berichte erstmal von gestern. Nachdem ich den Coronaartikel geschrieben hatte, war ich täglich mehrere Stunden damit beschäftigt, eure Fragen und Berichte zu beantworten. Ein zweiter Artikel ist bereits in Arbeit, und ich habe auf Facebook eine Gruppe gegrüdet, in der wir uns alle vernetzen und Hilfsangebote oder Hilfsgesuche einstellen können. Stoßt gern dazu, je mehr wir sind, desto besser! Weil ich also weiterhin jeden Tag alles lese, was es an Berichten zum Thema gibt, um für euch das wesentliche herauszufiltern, raucht mir der Kopf. Daher hatte ich mir für gestern vorgenommen, nur das nötigste zu machen und besagtem Kopf ein bisschen Ruhe zu gönnen. Zumindest das Aufräumen bewältige ich ressourcenorientiert.

Der Grund für die Chaosverschiebung: RTL West fragt für ein Interview zum Thema Solidarität an. Der Kölner Stadtanzeiger folgt auf dem Fuße. Bisher hatte ich solche Anfragen immer ausgeschlagen. Aber man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben. Während die Kinder im Hintergrund Grimassen schneiden, versuche ich mich höchst seriös auf die Fragen zu konzentrieren. Und als kurz darauf (eine super nette und ehemals kleinkindstillende Dame) die Journalistin des KSTA kommt, klettert Leo auf ihr herum und Ella stillt während ich lauter schlaues Zeugs von mir gebe. Vollprofi würde ich sagen! Am Abend bleiben die Kinder natürlich völlig aufgekrazt lange wach. Um Mitternacht schlafen dann alle.

SAMSTAG

Als ich aufwache fühle ich mich ein wenig neben der Spur. Gestern habe ich wohl das Trinken vergessen und habe direkt übelste Kopfschmerzen dafür kassiert. Um 4 Uhr Nachts kam ich auf die glorreiche Idee, Ibu zu nehmen. Ab dann klappte dann auch das Schlafen. Der Zustand unserer Wohnung aber zeigt deutlich, wie eingespannt wird sind. Seit über 3 Monaten geht es nun schon so und ich dachte bis vor kurzem tatsächlich: Na ab März wird es wieder besser. Da hatte ich mit den massiven Auswirkungen des Corona noch nicht gerechnet.

Mit diesen Auswirkugen in den Regalen allerdings hatte ich gerechnet, als in den letzten Tagen das soziale Leben einen offziellen Radikalschnitt verpasst bekommen hat. Spätestens als gestern kurz vor Schluss mitgeteilt wurde: Schulen und Kitas machen dicht. Diese Nachrichten konnten ja nur wieder die Panik schüren und irrationale Reaktionen befeuern… Doch heute sind wir schlau und teilen uns auf. Pascal schafft es sogar, noch eine Packung Klopapier zu ergattern. Das ist ja mittlerweile mehr wert als Geld. Leider hatten wir nämlich nach dem letzen Klopapierkauf keine weitere Packung geholt. Überhaupt hatte ich den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ausgewählt, um auf Pascals Meckerei zu hören. Ich bin nämlich auch ohne echte oder scheinbare Krise ein Hamsterchen. Ich fühle mich einfach sicher, wenn ich gewisse Vorräte da habe. Leider ist das in einer kleinen Wohnung platztechnisch eher schwierig und so habe ich (warum auch immer!?) vor eingen Wochen das erste Mal nachgegeben. Wir haben viele Vorräte aufgebraucht und nur das nötige neu besorgt. Als Lebensmittel/Klopapier und Co dann schön alle waren, kam Corona. Dass die Menschen so dermaßen panisch die Läden plündern würden, habe ich anfangs nicht glauben wollen. Und dann wars zu spät. Trotzdem möchte ich nochmal betonen: die Versorgung ist für uns alle im Grunde gewährleistet. Die leeren Regale besonders im Bereich der Hygieneartikel sind den sonst eher selterner getakteten Bestellund und Lieferung geschuldet.

Zum Glück ist in jedem Geschäft hier etwas anderes ausverkauft und mit vielen Streifzügen haben wir nun eigentlich wieder (fast) alles beisammen. Im Falle einer Quarantäne bräuchten wir aber eh Hilfe von Nachbarn, die uns frisches Obst und Gemüse vor die Türe stellen können. Einen entsprechenden Zettel habe ich letzte Woche schon in unser Treppenhaus gehängt. Auch wenn wir hoffen, dass der Fall eintritt – es gibt Ruhe, Hilfe bereits parat stehen zu haben. So können wir uns auf das “normale” Leben konzentrieren.

Während ich meinen eigenen Rat ignoriere, und weiter über Corona lese (nur und ausschließlich für den Artikel und als Admin der Gruppe!), pupsen die Kinder vor sich hin. Mit Pupsgerät natürlich…

Pascal schaltet auch super ab. Wenn er eines nicht kann, dann auf sich selbst aufpassen. Gerade jetzt wäre das umso wichtiger, denn bis auf weiteres ist er in 24h Rufbereitschaft. Ich hüpfe zwischendurch unter die Dusche. Eigentlich möchte ich mir die Beine rasieren, schmiere mir das Zeug aber komplett ins Gesicht. Ich muss laut lachen und mann tut das gut! Mein Rat an euch: lacht unbedingt mehr. Ganz besonders jetzt. Ihr müsst ja nicht gleich euer Gesicht zukleistern.

Zum Abendessen gibt es schnelles Wokzeugs und für jeden Wünschgemüse mit frischem O Saft. Immunsystem pimpen 😉 Ursprüngllich war Kartoffellauchsuppe geplant. Noch ursprünglicher war die für gestern geplant. Leider hat irgendwer oder -was den Lauch gemopst. Ich hatte ihn Donnerstag draußen vors Hoffenster gelegt und weg war er. Zumindest bin ich mir ziemlich sicher, dass es so war. Ansonsten wird ein übler Geruch irgendwo in der Wohnung uns in den nächsten Tagen eines besseren belehren. Noch mehr Rätselraten aber bereitet uns die Kita. Eigentlich sind ja alle Kitas ab nächsten Mittwoch zu. Bei uns wurde darüber nichts gesagt und nun wissen wir alle nicht, ob die Uniklinik da eine Ausnahme macht. Sind ja schließlich alle Mitarbeiter im med. Bereich, die sowieso eine Backupbetreuung brauchen und in Anspruch nehmen müssten. Man weiß es nicht, man weiß es nicht….

Am späten Abend muss Pascal nochmal in die Klinik. Allein bin ich aber nicht, denn Ella sitzt apfelessend neben mir.

SONNTAG

Ich wache relativ früh auf. Pascal und Leo sind schon im Wohnzimmer, Ella liegt neben mir und grist mich an. Ich versuche vergeblich noch mal einzuschlafen, aber es ist nichts zu wollen. Wir kuscheln und stillen auf dem Sofa, dann gibt es Frühstück.

Ella nimmt ihres doch lieber auf der Küchenzeile ein. Letzte Woche hat ihr Fuß uns einen Familenausflug in die Notaufnahme beschert und gerade tut es wohl wieder weh. Ein Kamillefußbad tut ihr sichtlich gut. Sie möchte gar nicht mehr weg von da oben.

Ich mache Sport und dusche, Pascal macht fleißig Haushalt. Ella hilft voller Elan. Wieder einmal frage ich mich, wo all die zweiten Socken nur immer hinverschwinden?! Wir haben bestimmt 3 oder 4 Dutzend einzelne Socken…

Mir schlägt heute die Anstrengung der letzen Wochen und die Unvorhersehbarkeit und rasante Entwicklung der letzen Tage aufs Gemüt. Meine persönliche Ungewissheit hat ja schon Mitte Dezember angefangen. In den letzen 3 Monaten habe ich unzählige Arztbesuche hinter mich gebracht. Keiner wusste so wirklich weiter. Dann hieß es dringen operieren, trotz hohem Risiko. Ende Ferburar dann die Kehrtwende: keine OP, Risiko zu hoch, Nutzen zu fraglich. Und als sich die Schmerzen so langsam zurückziehen, ich alle Hospitationsstunden absolviert habe und ein wenig Entspannung am Horizont sehe: Tadaa, Corona ist da! Ich bin also von einer Ungewissheit in die nächste gerutscht und heute, da habe ich keine Lust mehr. Es ist okay so, sage ich mir. Die nächste Zeit wird für uns alle ein emotionales Auf und Ab werden. Heute ist eben mein Ab.

Am Nachmittag gibt es Donuts und Kakao. Für mich kann der Tag dennoch nicht früh genug enden. Ich bin zu ungedultig und möchte gern wissen, wie unsere Kita es handhaben wird. Ungewissheit und ich, wir werden definitiv niemals Freunde. Wie geht es euch denn damit? Wie erlebt ihr die Fremdbestimmung (die wohl nötig aber dennoch richtig scheiße ist)?

Ich schreibe nun weiter am Folgeartikel und hoffe am Abend etwas abschalten zu können. Leicht wird es nicht, weil ich gerade von der Mutter und den zwei Kinder aus Mannheim erfahre, die vom Zug erfasst und verstorben sind. Ich möchte kotzen. Stattdessen setze ich jetzt die ersehnte Kartoffellauchsuppe auf.

So wie immer verlinke euch aber natürlich das WiB von Alu und Konsti. Und hier ist nochmal der Link zum ersten Beitrag: Kleinkindstillen – Papas erzählen. Damit es nicht immer nur um Corona geht. Bleibt gesund und munter und schaut, wem ihr unter die Arme greifen könnt! Wir lesen uns.

4 Gedanken zu „WiB 14./15. März Alles neu mach der Mai…äh, März!“

  1. Erst Mal ganz viel Kraft und GESUNDHEIT! Bei uns sieht es grad so aus, dass wir im Haus auch alles “neu” machen, aufräumen und und 🙂 Ich glaube das machen grad alle.

    Euch alles Liebe und gute! P.S. Richtig tolle und lustige Bilder 🙂

  2. Liebe Alexandra,

    ich wünsch dir ganz viel Kraft, innere Ruhe, Gelassenheit und gute Nerven!
    Und das wichtigste: Schau auf dich und deine Lieben und bleibt gesund!

    Österreich ist ja seit gestern im Minimalbetrieb. Ich und der Mann sind im Home Office, der Kindergarten hat (bis nach Ostern) zu. Geschäfte, ausgenommen Lebensmittelhändler, Drogerien, Apotheken, … haben zu und alle Lokale bleiben geschlossen. Museen und Freizeitabgebote, Parks und Spielplätze, bei denen es möglich ist, ebenfalls. Angeblich kontrolliert und informiert die Polizei vor Ort. Wir sind aufgerufen unser zu Hause nicht zu verlassen. Bin gespannt wann uns die Decke auf den Kopf fällt? Aber wenn es hilft!

    Liebe Grüße,
    Sophie

    1. Danke dir liebe Sophie, ach es ist schon eine unglaublich krasse Zeit gerade. Ich wünsche mir auch von Herzen, dass unsere Opfer so viele Leben wie nur möglich rettet.

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