Attachent Parenting – Wie wir unsere Bedürfnisse unter einen Hut bekommen Teil 2

Hier geht es zu Teil 1: Bonding – Bindungsaufbau nach der Geburt

Punkt 2: Stillen nach Bedarf: Leos Stillzeit

Leo kam vier Wochen vor dem geschätzten Termin auf die Welt, hat aber abgesehen von ein wenig Gelbsucht keinerlei Anzeichen eines Frühchens gezeigt. Er war von der ersten Minute an fit, obwohl die Geburt alles andere als leicht für uns gewesen ist. Direkt nach der Geburt habe ich ihn mir auf die Brust gelegt und nach kurzem Schnüffeln hat er ganz selbstverständlich angedockt und seine ersten Schlucke Muttermilch getrunken. Einen Tag später stellte sich bei mir der berühmt-berüchtigte Milcheinschuss ein.

 „Vollstillen geht auch mit der Flasche“

Genauso unkompliziert wie der Stillbeginn gestaltete sich auch der Rest unserer Stillzeit. Zu meinem Glück wurde ich von Milchstaus oder Brustentzündungen verschont. Weil ich recht bald wieder ins Studium einsteigen und auch wieder meinen Nebenjob in der Pflege aufnehmen wollte, haben wir nach zwei, drei Monaten angefangen, Leo an die Flasche zu gewöhnen. Ich habe dazu mit einer Handpumpe zwischen den Stillmahlzeiten abgepumpt und das Ergebnis im Kühlschrank gesammelt. Ich weiß noch, wie gespannt wir waren, als wir Leo das erste Fläschchen vor die Nase gehalten haben. Ihm war es tatsächlich ziemlich schnurz, woher die Milch kommt und hat den Inhalt auf ex geleert.

Die neugewonnene Freiheit tat mir sehr gut! Ich konnte weiterhin voll Stillen und trotzdem zur Uni und Arbeiten gehen, immer die Pumpe und Kühlakkus im Gepäck. Abgesehen von ein paar Fingerkrämpfen klappte das Abpumpen gut, wenngleich es natürlich viel aufwändiger und ungemütlicher als unsere Stillmomente war. Dafür hat Pascal es genossen, sich mit Leo einzukuscheln und ihn mit der Flasche zu „stillen“.

 „Wenn der kleine Hunger kommt“

Ich habe mir übrigens während der ersten Schwangerschaft keine großen Gedanken über das Stillen gemacht. Ich wusste, dass es gesund und gut für Mutter und Kind ist – sowohl psychisch als auch körperlich und den ganzen Rest habe ich einfach auf mich zukommen lassen. Die Idee, Kinder nur in einem bestimmen Zeitabstand an die Brust zu nehmen habe ich von Anfang an für absoluten Unsinn gehalten. Ich esse doch auch, wenn ich Hunger habe und mein Körper neue Energie benötigt. Und so ein kleiner Babymagen ist so winzig, da muss eben manchmal alle halbe Stunde nachgeladen werden. Zumal es beim Stillen nicht nur um die Nahrungszufuhr, sondern ebenso sehr um die Nähe, die Geborgenheit und den Bindungsaufbau geht. Ich habe Leo daher immer an die Brust genommen, sobald er Anzeichen von Hunger zeigte oder Kuschelbedürfnis hatte.

„Schnuller rein – Baby ruhig?“

Übrigens haben wir ihm nach dem dritten Lebensmonat auch den Schnuller angeboten. Wenn man an Babys denkt, hat man heutzutage irgendwie sofort ein Bild von Säuglingen und süßen Schnullern im Kopf. Um eine Saugverwirrung zu vermeiden, haben wir zwar einige Zeit damit gewartet, aber dann haben wir uns von diesem Bild leiten lassen. Leo hat den Sauger genauso schnell angenommen, wie die Flasche und für die folgenden zwei Jahre war der Schnuller unser treuer Begleiter.

Im Nachhinein ärgere ich mich schon ein wenig, dass wir die Nutzung des Schnullers überhaupt nicht hinterfragt haben. Jeder Zahnarzt schlägt sich die Hände über den Kopf, wenn er ein Schnullerkind sieht. Stichwort Zahnfehlstellung und Überbiss. Der Logopäde würde direkt mit dem erhöhten Risiko für motorisch bedingte Sprachfehler um die Ecke kommen. Die Hebamme/Stillberaterin würde auf das Risiko der Saugverwirrung aufmerksam machen. Außerdem könnte die Milchbildung darunter leiden, dann nun weniger an der Brust und mehr am Sauger genuckelt wird. Das alles sind (teils) berechtigte Einwände.

Allerdings muss ich auch sagen, dass es uns im Alltag einfach entlastet hat. Babys und Kleinkinder haben ein angeborenes Saugbedürfnis. Das Nuckeln ist eines der ersten Methoden, mit der sich auch schon die Kleinsten selbst regulieren und beruhigen können. Natürlich ist es am schönsten, wenn sie das nicht mit Plastik im Mund, sondern an Mamas Brust tun können. Dafür muss die Mama aber auch ständig präsent sein und unter uns gesagt: das kann zuweilen anstrengend und nervig sein. Natürlich kommt es auch sehr auf das Temperament und Nähebedürfnis des Kindes an. Manche Kinder, so wie Leo, liegen auch mal gerne einfach in der Ecke herum um beobachten ihre Umgebung. Sie fühlen sich auch ohne direkten Körperkontakt wohl und es reicht ihnen völlig, zur Beruhigung ein bisschen an irgendwas herumzunuckeln, wenn mal ein kleiner Pups quersitzt. Da muss es nicht jedes Mal die Mamabrust sein.

Für mich hat es nochmal ein Stück mehr Freiheit bedeutet und war es schön zu wissen, dass mein Kind sich auch ohne meine direkte Anwesenheit gut und schnell beruhigen kann. Trotzdem haben wir schon darauf geachtet, dass Leo den Schnuller nicht ständig im Mund hatte. Auch hier ist aber jedes Kind anders und am Ende muss jede Familie ihren individuellen Umgang damit finden. Bei uns ist der Abgewöhnungsprozess zum Glück sehr schnell und leicht über die Bühne gegangen. Zu seinem zweiten Geburtstag gab es den Schnuller in Absprache mit Leo nur noch zum Einschlafen. Tagsüber wurde er von ihm in ein Kästchen gelegt. So war er für Leo zwar immer zugänglich, dafür aber nicht direkt sichtbar. Aus dem Auge aus dem Sinn. Zu unserem Glück hat das bei uns super geklappt und nach weiteren zwei, drei Wochen wurde der Schnuller auch zum Einschlafen nicht mehr gebraucht.

„Beikost – geh mit der Banane weg!“

Da das Stillen für uns alle so gut funktionierte, hatten wir es mit der Beikosteinführung auch nicht eilig. Ich glaube, Leo war etwa 10 Monate alt, als er ernsthaftes Interesse am Essen gezeigt hat. Aus reiner Vorsicht wollten wir mit Brei und Banane starten, falls er sich verschlucken sollte. Leo hat uns bei den ersten Versuchen, ihm ein Löffelchen in den Mund zuschieben angeschaut, als wollten wir ihn vergiften. Die ersten paar Bananen sind auch überall gelandet, nur nicht in seinem Bauch. Alles ganz normal also. Sobald er motorisch den Dreh raushatte, fing er an, an Alles und Jedem herum zu knabbernund jede Nudel, Banane, Kartoffel etc. wurde mit freudig wedelnden Ärmchen verspeist. Je nach Zeit und Lust gab es bei uns Selbstgekochtes oder gekaufte Gläschen. Wir haben ihn von Anfang an bei uns mitessen lassen, viel Salz gibt es bei uns meist ohnehin nicht.

Bis das (feste) Essen zum Hauptbestandteil seiner Ernährung wurde, hat es fast bis zum zweiten Lebensjahr gedauert. Allerdings gab es bis dahin keine Muttermilch mehr, sondern Pulvermilch aus der Flasche. Denn zu seinem ersten Geburtstag wurde ich wieder schwanger.

„Hallo Baby – ade Muttermilch“

Leo war gerade mal ein halbes Jahr alt, als Pascal und ich uns für ein Geschwisterchen entschieden. Leider folgten der Entscheidung ein paar harte Monate, denn die zweite Schwangerschaft dauerte nicht lange. Vermutlich war der Grund meine kurz darauf diagnostizierte Schilddrüsenunterfunktion. Das aber nur am Rande, die Geschichte erzähle ich ein anderes Mal.

Jeder geht mit so etwas anders um. Wir persönlich wollten es sofort weiterversuchen. Zum Glück hatten sich meine Schilddrüsenwerte dank Substitution (derzeit, haha) schnell gebessert und zwei Monate später – pünktlich zu Leos erstem Geburtstag – hatte es sich Ella in mir gemütlich gemacht.

Eigentlich hatte ich vorgehabt in der Schwangerschaft weiterzu stillen. Mein Körper war da anderer Meinung. Vermutlich war das auf und ab der Hormone und die recht schnelle Folge der Schwangerschaften dann doch ein wenig zu viel, sodass mein Gehirn zugunsten des neuen Babys entschied. Zwei Tage bevor der Test zwei rote Streifen zeigte, blieb mir die Milch weg. Einfachso, von einem Tag auf den nächsten. Das war hart.

Besonders für mich! Ich war fassungslos und habe mich unglaublich schuldig gefühlt. Insuffizient und egoistisch. Meine Maus stillte noch fast voll und nun nahm ich ihm das einfach, „nur“ weil wir unbedingt ein weiteres Kind wollten. Anfangs habe ich noch dagegen angekämpft und versucht mit Dauerpumpen und Anlegen meine Milchproduktion anzuregen. Doch da war nichts mehr zu holen. Leo hat auch recht schnell kapituliert und lieber Pulvermilch aus der Flasche getrunken und am Schnuller genuckelt. Ein Glück, dass er schon an die Flasche gewöhnt war und auch an sich ein kleiner Anpassungskünstler ist.

Trotzdem, für mich war das nach der Fehlgeburt ein weiterer „Fail“ meines Körpers und ich trauerte den Stillmomenten sehr hinterher. Auf so ein plötzliches Ende war ich nicht vorbereitet und ich nahm mir eines fest vor: Das Ende soll es eben nicht sein! In neun Monaten wird sie wieder fließen, meine Muttermilch. Und sie wird für beide reichen!

Ob ich meinen Vorsatz einhalten konnte und wie anders die Stillbeziehung mit Ella war (und noch ist), könnt ihr bald bei „Stillen nach Bedarf – Ellas Stillzeit“ nachlesen!

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