Ende gut, alles gut? – Ellas Geburt Teil 2

Was bisher geschah, k√∂nnt ihr in Teil 1 nachlesen ūüôā

Eine Woche On-Off Wehen hatte ich nun hinter mir. In der ersten Schwangerschaft war eine meiner gr√∂√üten Sorgen, dass ich die Geburtswehen nicht von Senk- oder √úbungswehen unterscheiden k√∂nnte. Auch heute finde ich, dass der Unterschied besonders zum Ende der Schwangerschaft immer flie√üender wird. Ich war mir allerdings sehr sicher, dass die Wehen in diesen sieben Tagen eindeutig Geburtswehen waren. Im Vier- bis F√ľnfstundentakt kamen und gingen die Wellen. Immer recht gegelm√§√üig und mit gro√üem Druck nach unten. Jedes Mal war meine volle Konzentration gefragt und jedes Mal dachte ich: ist es das jetzt? Ist heute der Tag, oder ebben die Wehen gleich wieder ab? Dieser Zustand war k√∂rperlich und emotional sehr, sehr fordernd. Und so unglaublich anders als die Tage vor Leos Geburt. Da glaubte ich 24 Stunden vorher noch, dass ich am n√§chsten Morgen eine Klausur schreiben w√ľrde.

Samstag, 25.06.

Diesmal hatte ich also wesentlich mehr “Vorbereitungszeit”. Beide Patinnen waren informiert, dass es bald losgehen k√∂nnte. Eine von beiden sollte dann hoffentlich schnell genung bei mir sein, um mich und Pascal im Krei√üsaal zu unterst√ľtzen. Auch meine Schwiegereltern wussten Bescheid, denn sie w√ľrden Leo f√ľr ein, zwei Tage zu sich holen. Ich selbst kuschelte so viel wie m√∂glich mit meinem Erstgeborenen und drehte zunehmend kleinere Kreise um mein Nest. Am Freitagabend schafften wir es sogar noch, in Ruhe zu grillen und abends einen sch√∂nen Film zu schauen. Irgendwie war mir das noch ganz wichtig. Ein letzter entspannter Abend, bevor die Babyzeit beginnt. W√§hrend einer l√§ngeren Wehenpause am Samstagabend gingen wir Drei spontan zum Real, weil ich noch ganz dringend irgendetwas holen wollte. P√ľnktlich in der Warteschlange stehend √ľberrollt mich eine heftige Wehe. Ich kralle mich am Einkaufswagen fest und habe das Gef√ľhl, mitschieben zu m√ľssen. “Oah, Schatz ey! Ich glaube das Baby kommt”.

Wir packen in Rekordzeit die Eink√§ufe in den Rucksack und eilen in Mopsgeschwindigkeit nach Hause. Ich sehe mich schon mein Kind mitten auf der Stra√üe geb√§ren und w√ľrde am liebsten auf allen Vieren weiterkrabbeln. Zuhause rufen wir meine Schwiegereltern an und bitten sie, Leo abzuholen. Die Fahrt zu uns dauert ca. eine Stunde. Leos K√∂fferchen ist schon gepackt. Nun hei√üt es Abschied nehmen von meinem Kind. Abschied nehmen von unserer Dreisamkeit. Mit pl√∂tzlicher Wucht √ľberkommt mich wieder diese Wehmut und ich f√ľhle mich schrecklich hin und hergerissen zwischen der Freude auf Ella und dem Abschiedsschmerz. Ich kann meinen Sohn kaum gehen lassen und weine, als er mit Oma und Opa hinausspaziert. Jetzt wird alles anders werden.

Sonntag, 26.06.

Meine Wehen sind durch das Gef√ľhlschaos wieder deutlich seltener und schw√§cher geworden. Ich war einfach noch nicht so weit. Nicht an dem Abend. Wir bleiben dennoch lange auf und schauen uns zur Ablenkung ein paar Filme an. Am n√§chsten Morgen ist es ganz ungewohnt still im Haus ohne Leo. Pascal und ich gehen spazieren und drehen eine Runde um den Weiher. So haben wir es auch einen Tag vor Leos Geburt gemacht. Meine K√∂rpermitte macht mir sehr deutlich, dass die Geburt kurz bevor steht. Ich nehme Abschied, schon wieder. Diesmal aber von meinem Babybauch. Von neun Monaten Schwangerschaft. Ich habe diese Zeit genossen, ich habe diese Zeit geliebt. Das Gef√ľhl tiefer Verbundenheit, die Dankbarkeit ein Leben erschaffen zu d√ľrfen, die Tritte – erst ganz zart, zum Ende hin wortw√∂rtlich atemberaubend. Die Gewissheit, nie ganz allein zu sein und zum Schluss die wachsende Vorfreude auf mein Baby. Einmal noch traurig sein. Einmal alle Gef√ľhle zulassen. Danke, Babybauch. Es war unglaublich sch√∂n mit dir!

Ich erhebe mich schnaufend-elegant von den Steintreppen. Meine Wehmut lasse ich dort zur√ľck. Hier darf sie bleiben und immer wenn ich den Weiher besuche, setze ich mich f√ľr eine Weile neben sie und erinnere mich.

Den restlichen Sonntag ruhen wir uns aus. Ich bin ruhig und ich bin bereit.

Montag, 27.06.

Vier Uhr morgens. Ein starkes Ziehen im R√ľcken weckt mich. Ich erkenne es sofort. Trotzdem bleibe ich noch eine Weile liegen, solange ich es aushalte. Wer wei√ü, wieviel Kraft dieser Tag mir noch abverlangt. Irgendwann wecke ich Pascal und gehe duschen. Ein letzes Mal den Babybauch eincremen und ein letzes Bauchbild schie√üen. Tee kochen, ein paar Brote schmieren, √Ąpfel schneiden f√ľr den Krei√üsaal und meine Freundin vorwarnen.

Die Wehen sind stark, die Abst√§nde werden immer k√ľrzer. Ich h√ľpfe auf dem Ball, sp√§ter tigere ich durch die Zimmer. Bei jeder Welle h√§nge ich mich an den T√ľrrahmen. Kurz vor acht entscheide ich, dass wir jetzt besser losfahren. Die Fr√ľhbesprechung ist gleich zuende, denke ich noch. Das sollte passen. F√ľnf Minuten dauert die Fahrt. Lange sitzen ist auch nicht drin und zum Gl√ľck muss ich nur eine Wehe im Auto veratmen. Meine Freundin ist auch schon auf dem Weg.

Ein bisschen komisch ist es schon, jetzt nicht im wei√üen Kittel sondern als werdende Mama den Krei√üsaal zu betreten. W√§hrend des Aufnahme-Ultraschalls plaudere ich ein wenig mit der √Ąrztin und wir bringen uns gegenseitig auf den neuesten Stand. Danach geht es zum CTG. Diesmal schl√§gt es sogar aus. Selbst wenn es das nicht getan h√§tte, w√§re ich nicht verunsichert gewesen. Bereits bei dem Anmeldegespr√§ch vor ein paar Wochen habe ich vermerken lassen, dass ich und das CTG nicht gerade die besten Freunde sind und dass eine medikament√∂se Einleitung nur im absoluten Notfall und mit meiner und Pascals Zustimmung gegeben werden darf. Eigentlich eine Selbstverst√§ndlichkeit, sollte man meinen. In Wirklichkeit ist die k√ľnstliche Beschleunigung der Geburt Alltag im Krei√üsaal. Schlie√ülich wird pro Frau nur 5 Stunden Betreuung bezahlt. Wer Gewinne machen will, kann sich eine nat√ľrliche Geburt nicht leisten. Hier sind ganz stark der Gesetzgeber und die Krankenkassen gefragt. Gewalt in der Geburtshilfe, die Ursache liegt offen in der Politik begraben. An dieser Schraube muss in Zukunft dringend gedreht werden. So darf es auf keinen Fall bleiben! Erst vor ein paar Tagen habe ich wieder eine Dokumentation dar√ľber gesehen und mich sehr an Leos Geburt erinnert gef√ľhlt. Nicht nochmal, nicht mit mir! Also zur√ľck zu Ellas Geburt:

Gerade als die Hebamme mich von dem CTG befreit, st√∂√üt meine Freundin zu uns. Ich freue mich sehr, als ich ihre Stimme durch die T√ľr h√∂re. Mit meinem Einverst√§ndnis kontrolliert die √Ąrztin den Muttermund, ich selbst w√ľrde auch gerne wissen, ob die letze Woche gute Vorarbeit geleistet hat. Hat sie: 5cm. So darf es weitergehen. Den Zugang lasse ich mir auch legen, weil ich mir sp√§ter die Option f√ľr ein Schmerzmittelchen offenhalten m√∂chte. Aus Erfahrung wei√ü ich, dass ich unter der Geburt sehr ber√ľhrungsempfindlich bin und dann nicht erst noch gestochen werden m√∂chte um eine Viggo zu legen. Meine Geburtsbegleiter sind beide darauf vorbereitet, “heimliche” Medikamentengaben zu verhindern, wenn ich dazu nicht mehr in der Lage sein sollte.

Eine Weile spazieren wir noch im Flur herum, das Laufen wird aber immer anstrengender f√ľr mich und wir beziehen meinen Krei√üsaal. Leider ist es der, in dem w√§hrend meiner Famulatur eine Notsectio gemacht werden musste. Da blieb nicht mal Zeit, um die √Ąrmste in den OP zu schieben. Ich musste meinen hochschwangeren Bauch einziehen und mich an der Wand entlang zur T√ľr tasten, so eng war es.

Heute ist das hier aber mein Raum und meine Geburt. Ich hänge wieder ein bisschen ab, während Ella sich den Weg nach unten bahnt. Meine Hebamme fragt, ob ich vielleicht in die Wanne möchte, sie wäre gerade frei. Erst bin ich skeptisch, keine Ahnung warum. Allerdings soll ja das warme Wasser den Wehenschmerz lindern und es spricht nichts dagegen. Ein Bikinioberteil habe ich sogar eingepackt. Bevor es aber zum Planschen geht, bitte ich um ein leichtes Analgetikum und bekomme eine Paracetamol-Infusion. Ich bin kein Fan von falschem Heldentum und wenn es etwas gibt, dass dem Schmerz die Spitze nimmt, ohne das Baby oder die Wehentätigkeit zu beeinträchtigen, nehme ich das dankend an!

Die Infusion ist leer, die Wanne voll. Pascal hilft mir beim Einsteigen und meine letzen Zweifel verschwinden sofort. Die W√§rme und die Infusion verwandeln den wachsenden Schmerz in ein starkes Druckgef√ľhl. √úberhaupt herrscht bei uns eine sehr gel√∂ste und freudige Stimmung. Ich bin entspannt, keine Spur von Angst oder Unsicherheit. Ich lache sogar vor Freude, weil ich keine stundenlange Dauerwehe, sondern Wehenpausen habe. Ein paar Minuten Ruhe, in denen ich mich von der vorigen Wehe erholen und auf die ich mich w√§hrend der n√§chsten Wehe freuen kann. Bei Leo gab es das nicht. R√ľckblickend kann ich sehr gut versehen, dass ich mich wie eine Sterbende gef√ľhlt habe. Dieses Mal ist es das genaue Gegenteil: ich f√ľhle mich unglaublich lebendig. Wie das Leben h√∂chstpers√∂nlich, stark und kraftvoll. Und m√∂glicherweise ein bisschen high von den k√∂rpereigenen Endorphinen.

Die erste halbe Stunde in der Wanne kann ich mich noch gut mit den anderen unterhalten und lasse mir ab und an meine Trinkflasche reichen. Unter der Geburt hab ich immer wahnsinnigen Durst. Wenn mir da jemand mit Eisw√ľrfelchen k√§me, w√ľrde ich die vermutlich an die Wand pfeffern. Immer mal wieder kommt meine Hebamme dazu, schaut nach uns und h√§lt sich absolut im Hintergrund. Kein CTG, keine Muttermundkontrolle. Sie beobachtet einfach nur und l√§sst mich machen. St√ľck f√ľr St√ľck nimmt der Druck zu und die Wehen tun auch wieder ordentlich weh. Reden ist nicht mehr m√∂glich, denn meine ganze Konzentration gilt dem Atmen. Ich ziehe mich in mein Inneres zur√ľck, bekomme von der Au√üenwelt kaum noch etwas mit. Ich sp√ľre, wie Ellas K√∂pfchen in mein Becken tritt. Wie es mit jeder Kontraktion nach unten geschoben und danach wieder ein St√ľck nach oben gedr√ľckt wird. Ein krasses Gef√ľhl. Bei Leo habe ich das so im Detail nicht mitbekommen. Da gab es nur Schmerz. Die Hebamme kommt und bleibt. Pascal erz√§hlt mir sp√§ter, dass sie alles f√ľr Ellas Ankunft vorbereitet hat und meinte: “Sie ist jetzt ganz leise, es dauert nicht mehr lang”. Sie fragt mich, wie ich die Lage einsch√§tze und ich sage ihr, dass das K√∂pfchen jetzt im Becken ist. Die kurzen Pausen helfen jetzt auch nicht mehr, denn es ist unbeschreiblich schmerzhaft als meine Knochen auseinandergedr√ľckt werden. Ich f√ľhle mich aber nicht hilflos. Ich wei√ü, dass der Schmerz gerade dazugeh√∂rt. Dass ich gleich belohnt werde, und dass es vorbei gehen wird. Dann macht es Plopp und meine Fruchtblase platzt.

“So, jetzt legen wir einmal kurz das Funk- CTG an.” Ist ok f√ľr mich, raus aus der Wanne muss ich nicht und einmal nach den Herzt√∂nen schauen finde ich vertretbar. Scheinbar ist alles gut. Ich bin aufgeregt. Gleich ist sie da. Einmal Positionswechsel, damit die Hebamme besser sehen kann. Nach dem Blasensprung sind die Wehen noch krasser und auch der ber√ľhmte Elefant hat seinen Weg zu mir gefunden und l√§sst sich auf mir nieder. Die erste Presswehe br√ľlle ich raus. Danach darf ich mitschieben. Unterdessen kommt die √Ąrztin ganz aufgeschreckt dazu. Sie hatte nicht so schnell mit der Geburt gerechnet und dachte wohl, sie w√ľrde wegen einer Komplikation gerufen.

Die letzten Minuten sind gleichermaßen die schönsten und die schlimmsten. Ich kämpfe innerlich mit mir: Wenn ich mitschiebe, verletze ich mich selbst. Mein Körper reißt vielleicht, meine Knochen weichen auseinander. Ich will das nicht. Wenn ich nicht mitschiebe, dauert es aber einfach nur noch länger. Ich komme nicht drum herum und keiner kann mir das jetzt abnehmen. Da musst du jetzt durch. Gleich ist sie da. Gleich kannst du sie halten.

Der Kopf ist geboren. Der Elefant l√§sst mich kurz Luft holen. Ich streichle Ellas Hinterhaupt. “Hallo meine Maus”, dann steigt der Dickh√§uter wieder auf und mir geht leider die Puste aus.Du musst jetzt auch ohne Wehe schieben, sonst staut sich zu viel Blut im K√∂pfchen!” Oah, nee. W√§re ich mal besser in der Hocke geblieben, dann h√§tte ich wesentlich mehr Kraft. Zu sp√§t, gro√ü bewegen kann ich mich nicht mehr. Shit.

Mein Wille siegt, ohne Luft in den Lungen presse ich mit aller Kraft. Man nennt es Mutterliebe.

11: 37 Uhr

Ella ist da. Endlich kann ich sie in die Arme nehmen. So lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet. Unfassbar! Ich bin wieder Mama geworden. Jedes Mal aufs Neue ein unglaubliches Gef√ľhl. Noch sind wir durch die Nabelschnur verbunden. Ganz langsam lassen wir Ella ankommen in unserer Welt. Etwas wackelig steige ich aus der Wanne und lege Ella auf meinen Bauch. Wir lassen die Nabelschnur auspulsieren, dann darf Pascal sie durchschneiden. Die Plazenta l√∂st sich von alleine, ich bekomme von der Nachgeburt nichts mit. Die √Ąrztin sucht nach Verletzungen. Sie staunt und findet keine. Alles heil geblieben. Yeah!! Wir ziehen um in den Krei√üsaal, dort kuscheln wir. Ella weint, ich halte ihr die Brust vor die Nase und sie trinkt wie ein kleiner Weltmeister. Meine Geb√§rmutter f√§ngt gleich mit der R√ľckbildung an. Autschi.

Der Kinderarzt kommt vorbei und schaut sich unsere Kleine an. Alles super, nur das Gesicht ist ein wenig geschwollen. Das legt sich in den n√§chsten Tagen wieder. Auch ich werde noch einmal untersucht. Erneutes Staunen seitens der √Ąrztin: “Sag mal, wo ist denn dein Uterus hin? Sicher, dass da eben noch dein Baby drin war?” Sp√§ter vorm Spiegel sehe ich es selbst, von meinem Babybauch ist kaum noch etwas “√ľbrig”. Vier Tage nach der Geburt hat meine Geb√§rmutter wieder ihre Ursprungsgr√∂√üe, wie meine Hebamme feststellt. So etwas habe sie in ihren 35 Jahren T√§tigkeit noch nicht erlebt. Schwein gehabt, w√ľrde ich sagen.

Die Geburt haben wir √ľbrigens sehr gut abgepasst. Meine Freundin kann gleich weiter zum Pharmaseminar ein paar H√§user weiter und unserer Studiengruppe von Ella erz√§hlen. F√ľr die Entlassung muss Pascal noch etwas unterschreiben, sodass Ella und ich ganz allein im Bett liegen. Ich genie√üe meine Minisalami, auf die ich mich neun Monate lang gefreut habe. Ich hatte sie schon vor einigen Wochen in ein eigenes, leicht zug√§ngliches Seitenfach meiner Geburtstasche gepackt. Sicher ist sicher. Um 14 Uhr verabschieden wir uns und fahren heim (H√§tten wir einen Kinderwagen gehabt, w√§re ich glatt zu Fu√ü gegangen). √Ąrztin und Hebamme bedanken sich vorher noch bei mir; so eine sch√∂ne Geburt h√§tten sie schon sehr lange nicht mehr begleiten d√ľrfen und sie w√ľrden wohl noch lange davon zehren k√∂nnen.

Zuhause bin ich ko aber sehr gl√ľcklich! Es tut gut, einander ungest√∂rt und nach unserem eigenen Rhythmus kennenlernen zu d√ľrfen. Ich gehe duschen und f√ľhle mich ganz ungewohnt allein. Vor wenigen Stunden noch stand ich genau hier, hochschwanger. Nun liegt mein Baby auf Papas Bauch. Das erste Mal allein seit fast einem Jahr. Seltsam. Sch√∂n. Gew√∂hnungsbed√ľrftig. Viel Zeit bleibt mir ohnehin nicht, denn Ella ruft nach mir. Schnell geht es wieder zur Mama. Dort macht sie es sich gem√ľtlich, dort wird sie den gr√∂√üten Teil ihres ersten Lebensjahres verbringen. Aber das ahne ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Ich schwebe auf Wolke 7 und muss erstmal realisieren, dass wir nun zu viert sind.

Der Vierte im Bunde fehlt allerdings. Nach der anf√§nglichen Euphorie vermisse ich meinen gro√üen, kleinen Leo. Erst, als er am n√§chsten Tag mit Oma und Opa im Schlepptau heimkommt, komme auch ich in der Wirklichkeit an. Jetzt sind wir komplett, jetzt sp√ľre ich: ich bin eine Zweifachmama!

Meine Angst, ich k√∂nnte ein Kind mehr oder weniger lieben als das andere, l√∂ste sich auf. Meine Bef√ľrchtung, Leo k√∂nnte sich an die Seite gedr√§ngt f√ľhlen, war unbegr√ľndet. Von Anfang an herrschte gro√üe Geschwisterliebe, von Eifersucht keine Spur. Und das, obwohl das folgende Jahr wirklich eine Zerrei√üprobe f√ľr mich werden w√ľrde. Tja, eine entspannte Geburt hei√üt nicht automatisch, dass auch das Baby entspannt sein wird. Heute trage ich n√§mlich ein waschechtes Schrei – Trauma mit mir herum…

Mein Geburtstrauma aber habe ich √ľberwunden. Schon w√§hrend der Schwangerschaft hatte ich alles getan, um meinen √Ąngsten entgegenzuwirken. Immer wieder habe ich mit Pascal dar√ľber gesprochen, um zu verstehen was passiert war und wie es dazu kommen konnte. Ich habe alles in meiner Macht stehende getan, um nicht noch einmal √ľberrumpelt zu werden. Mir zwei Menschen an die Seite geholt, denen ich mich voll und ganz anvertrauen konnte. Die Beide f√ľr mich gesprochen h√§tten, mich besch√ľtzt h√§tten, wenn es notwendig geworden w√§re.

Ich habe es geschafft, enstpannt in Ellas Geburt zu gehen. Es wurde nichts mit mir gemacht. Ich “wurde” nicht entbunden. Ich habe geboren. Selbstbestimmt. Daf√ľr bin ich dankbar.

Wie waren eure Geburten? K√∂nnt ihr euch mit einem L√§cheln erinnern, oder habt ihr auch schlimme Erfahrungen machen m√ľssen? Wer seine Geschichte gerne hier auf dem Blog teilen m√∂chte: schreibt sie auf und schickt sie mir per Mail ūüôā

 

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