Brave new world? Zwischen Zweifel, Wut und kleinem Glück: WiB 5./6. Dezember

SAMSTAG oder auch: was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Nach einem dicken Streit gestern Abend war die Nacht so lala. Dafür schlafe ich lange aus und muss dann auch noch erstmal richtig wach werden. Passend zur neuen Schwangerschaftswoche (SSW 26) bringt Ella den kleinen Elefanten und lässt ihr Geschwisterchen beschallen.

Irgendwann raffe ich mich auf, mache Sport und dann geht es zum Einkaufen. Auf dem Rückweg dürfen wir einen Feuerwehreinsatz beobachten. „Nur“ ein ausgelaufenenes Auto, Ella ist aber ganz aus dem Häuschen.

Überhaupt hat Ella seit Wochen ausgezeichnete Laune, hüpft fröhlich durch die Gegend, ist stolz wie groß sie schon ist und freut sich wirlich über jede noch so kleine Kleinigkeit. Ganz anders als Leo, der in letzter Zeit eher muffelig ist (und mitten in der Wackelzahnpubertät, huiuiui!). Kurz vor unserem Haus entdeckt Ella einen kleinen Marienkäfer und trägt ihn furchtbar stolz zu dem Busch vor unserer Tür. Dabei kommen wir an unserem Auto vorbei, das wie alle anderen Autos in diesem Straßenabschnitt mit einem Knöllchen versehen ist. Über Nacht wurde still und heimlich ein Parkverbotsschild aufgestellt, keine Infos für die Anwohner oder sonstiges. Dafür überall Strafzettel! Oben drauf kommt noch, dass es überhaupt keinen Grund für dieses Verbot gibt. Mindestens 6 Parkplätze fallen weg, für…ja wofür eigentlich?

Es gibt weder ein größeres Unternehmen, Bauvorhaben oder sonst irgendetwas, das ein Parkverbot vor Wohnhäusern rechtfertigt. Zumal wir hier alle für die Anwohnerplakette blechen müssen und die Parksituation ohnehin grausig ist. Pascal schreibt direkt Beschwerden an die entsprechenden Stellen und ich versuche dem Drang zu widerstehen, jemanden anzubrüllen. Stattdesssen arbeite ich ein wenig und erinnere Pascal dann daran, dass er mir ja endlich mal den wachsenden Babybauch einölen wollte. Leider geht diese dritte Schwangerschaft ziemlich unter. Die romantische Paarzeit verläuft dann auch anders als erhofft: ich packe den Bauch aus, Pascal nimmt das Öl und fängt dann an zu kichern. Ich rieche den Braten sofort (könnt ihr fast wörtlich nehmen) und rate: Du denkst gerade an ein Brathähnchen oder?

Nein, gar nicht! beteuert der Mann in außergewöhnlich hoher Tonart. Nunja. Anschließend gibt es Croissants mit Kakao und wir verzieren die gestern gebackenen Plätzchen. Hier geht es zum Rezept wenn ihr mögt.

plätzchen backen mit kindern

Der Mann verzweifelt derweil an irgendeiner „Alexa sagt bescheid, wenn das Fenster auf ist“ Programmierung und ich tippe fleißig für euch. Später gibt es den Rest eines billig-Weihnachtsfilms auf N und ein schnelles Abendessen. Der Nikolaus muss nämlich sehr früh ins Bett. Falls ihr mögt: bis morgen könnt ihr noch an der Adventsverlosung für 6 GEOlini mini Hörspiele teilnehmen. Ab in den Lostopf, wer kleine Feuerwehr- oder Pferdefans beschenken möchte.

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SONNTAG: Nikolaus

Die Kids sind gestern natürlich nicht einfach so eingeschlafen wie erhofft. Es wurde sich um Kissen und ein Schaf gestritten. Ich glaube, wir könnten 1000 Kuscheltiere haben, es würde sich dennoch um ein und das selbe gekloppt. Dann wache ich heute auch noch viel zu früh auf und kann nicht mehr einschlafen, obwohl der Mann sich um die Kids kümmert. Und dann werde ich auch noch ignoriert und muss die Küche ohne roten Teppich betreten, der mir als Schwangere eigentlich jedes Mal ausgerollt werden sollte, wenn ich hereinkomme. Stattdessen brauchen die Kinder über eine halbe Stunde um ihr Obst zu essen. Bevor ich explodiere, flüchte ich und mache Sport.

Nach der Dusche geht es mir besser. Bis ich nach etwas zum Anziehen suche. Tja. Um die Stimmung zu heben, machen wir kleine Nikolaustütchen fertig und stellen sie vor ein paar Türen. Dabei entdecken wir ein kleines Päckchen von einer sehr lieben älteren Dame weiter oben.

Die kleinen Spielzeuge werden direkt ausprobiert und ich könnte schon wieder einschlafen. Nur die Wut hält mich wach, denn am Freitag kam eine ganz schön beschxxx Nachricht: nachdem die im Homeoffice arbeitenden Politiker allesamt fette Corona-Boni bekommen, fällt die sowieso schon viel zu geringe Einmalzahlung für Klinikspersonal nun…ins schmutzige Wasser. Auch unsere Klinik schreibt: die Regierung stellt schlicht einen Witz von finanziellen Mitteln zur Verfügung, sodass nur die wenigsten den Bonus ausgezahlt bekommen können. Oder wie in unseren Fall in Köln: es soll niemand leer ausgehen, wer was bekommt muss noch entschieden werden. Wir haben mal schnell überschlagen: für jeden springt dann eine sehr wertschätzende und hilfreiche Summe von knapp 45€ raus. Super oder? So unglaublich im Sinne des Bonus, so verständlich und zusammenschweißend. ERNSTHAFT?

Auch wenn ich im großen und ganzen zufrieden oder zumindest verständnisvoll für viele Maßnahmen und Entscheidungen der Politik war, so geht mehr und mehr völlig an der Realität vorbei. Es werden SCHON WIEDER ganze Gesellschaftsgruppen im Stich gelassen und schlicht nicht berücksichtig: Familien, Kinder, Frauen, Selbstständige. Es gibt weder vernünfitge Schulkonzepte, dafür wird weiter wie blöde an der Präsenzpflicht festgehalten, es ist sauschwer einen Gehaltsausgleich für Eltern von Kindern in Quarantäne zu bekommen, Selbstständige müssen halt von Luft und Liebe leben, wenn sie deutlich weniger Einkommen haben, Frauen erleben vor und unter der Geburt Zustände die einfach nur noch grauenhaft und vor allem total unnötig sind. Ein zu lascher Lockdown, der dadurch umso länger andauert und umso mehr Schaden anrichtet. Schulferien die einfach mal vorgezogen werden, als ob die Eltern dann auch mal eben Urlaub bekommen und die paar Tage irgendeinen Unterschied machen würden. Die Probleme werden auf uns abgewälzt, und es fällt mir wirklich, wirklich schwer da noch hinterzustehen.

NIKOLAUS

Immer wieder beginne ich hier Artikel dazu, doch es fehlt mir die Energie, die Zeit. Und ich würde doch so gern einfach mal sagen: klasse Entscheidung! Mutig, sinnvoll, innovativ, losgelöst von alten staubigen „Vorgaben“. Ich habe immer mehr Angst vor diesem Virus, da mit jeder neuen validen Erkenntis klar wird, was das für ein fieser Tausendsassa ist. Ich habe aber auch wachsende Angst, dass die deutsche Politik stur weiter auf die harte Wand zusteuert. Auf welche Welt bringe ich da mein drittes Kind, und wie lange kann ich die noch Gott sei Dank eher heile Welt in unseren vier Wänden aufrecht erhalten? Ich bin oft schlaflos. Und müde. Und ratlos. Noch bin ich nicht gelähmt, noch kratze ich, wie so viele von uns, Kraft zusammen und bin laut. Heute soll es aber so besinnlich wie möglich sein auch wenn mir immer wieder der Kontrast meiner Bilder und der Realität dahinter auffällt.

Nach 20 Minuten Tee und Kalenderschokolade deligiere ich den Mann mit den Kindern ins Kinderzimmer. Vorher legt Ella Kekse und Milch für den „Hasen“ bereit. Irgendwie bringt sie permanent Nikolaus und Osterhasen durcheinander und das Kichern bei ihren witzigen Bezeichnungen (Nikolaushase, Weihnachtshase, Wieheißtdernochmalmama etc) tut gut. Bevor es die Minibescherung gibt (ja, ich brauche das einfach daher gab es neben den Tellern auch ein paar ganz kleine Geschenke) lasse ich die Tür knallen und trample durch die Wohnung. Dabei denke ich daran wie Pascal gestern Abend sehr charmant meinte, dass mir das akutell ja nicht sehr schwer fallen würde. Zumindest hat er nicht gesagt: Na, den Bauch hast du ja schon!

Und dann stürmen die Kinder gespannt wie zwei Flitzebögen ins Wohnzimmer und es geschieht ein Wunder: es sind alle zufrieden! Und glücklich. Und gut gelaunt. So ensteht auch dieser Schnappschuss, der so unglaublich viel schöner ist als jedes professionelle Shooting. Leo bekommt übrigens ein Harry Potter Memory und Ella ein Anna und Elsa Puzzle. Ich beobachte die beiden und stelle fest: Ella ist wie ich als Kind. Nicht nur optisch, nein sie futtert fast ihren ganzen Teller leer. Dann beginnt Leo damit, seinen Wunschzettel zu malen und ich tippe unseren Sonntag für euch.

Nun ist es 15 Uhr, und ich habe das Gefühl es wäre schon Stunden später. „Menschen erschaffen“ wie Leo sagt, ist harte Arbeit, das spüre ich immer deutlicher. Vielleicht schaffe ich es noch, gleich meinen Jahresrückblick für euch zu schreiben (oder viel eher anzufangen) und auch das zweite Trimester ist fast rum und ein Bericht fällig. Und dann wartet da noch die Präsentation für den Kongress nächstes Jahr. So viele Gedanken, so viele Ideen. Mal schauen. Vielleicht starre ich auch einfach Löcher in die Luft und entspannne. Auf dass ihr dafür auch Zeit und Muße findet! Mehr Alltag und Gedanken findet ihr auf Instagram

Wie immer geht es hier noch zum WiB von Große Köpfe.

2 Gedanken zu „Brave new world? Zwischen Zweifel, Wut und kleinem Glück: WiB 5./6. Dezember“

  1. Ein freundliches Hallo nach Köln und einen schönen Rest-Nikolaus-Tag!

    Die Corona-Krise trifft wie immer bei den Falschen besonders hart. Es ist ein absolutes Unding, dass Klinikpersonal, das seit Monaten am Limit arbeitet, so wenig wertgeschätzt wird. Es sollten alle dankbar sein, dass es immer noch Menschen gibt, die im Leben dafür einstehen, dass es anderen gut geht.

    Ich persönlich wäre mehr als bereit, alle Kinder wieder zu Hause zu haben in Homeschooling und Home-Kinderbetreuung. Die nervliche Überlastung, die entsteht, wenn in einem Elternbrief Quarantäne für Jahrgang xy oder OGS-Gruppe Soundso angekündigt wird, ist kaum noch auszuhalten. Noch kein eigenes Kind war bisher betroffen, aber ich wäre lieber mit allen daheim, um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, dass es uns trifft.
    Leider haben wir nicht den Luxus, es uns aussuchen zu können.

    2020 war bislang einfach Scheiße – auch abseits von Corona – da hätte ich lieber heute als morgen Schluss.

    So weit so gut, nur noch 2 Wochen zittern, dann haben wir Ruhe…

    Euch alles Gute und eine schöne weitere Adventszeit!

    1. Ohje, ja ich glaube sehr viele sind schon längst mit diesem Jahr fertig. Ich frage mich da nur: wie wird das nächste? Und ja wir machen es ja tatsächlich so, dass die Kinder seit über einem Monat nur noch ein mal pro Woche in die Kita gehen. Einfach weil ich ein höheres Risiko habe und auch weil ich schlicht nicht mit den Kindern 2 Wochen zuhause „eingepfercht“ sein möchte. Seit der Entscheidung geht es mir auch psychisch besser, einfach weil die Ungewissheit ein Stückchen kleiner ist. Leider zahlen wir munter die sehr teuren Beiträge weiter, das ist auch so eine Sache. Gleichzeitig bin ich dankbar, dass Leo noch nicht in die Schule geht und wir überhautp diese Möglichkeit haben. Ich wünsche euch auch von ganzem Herzen alles Gute und dass ihr veschont bleibt von C, Quarantäne etc und dass ihr trozt allem ein paar ruhige Tage zu Weihnachten genießen könnt!

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