Stillkind = Kitakind Teil 1

Sowohl Leo als auch Ella gehen seid etwa dem ersten Geburtstag in die Kita. Vollzeit, wie man so schön sagt. Dass ich Ella auch mit 3 Jahren noch stille, ist kein Geheimnis. Aber wie geht das: Stillkind = Kitakind?

Stillkind und Kita – geht das überhaupt ?

In den letzten Wochen habe ich sehr oft diese oder ähnliche Fragen gestellt bekommen. Viele Mamas machen sich Sorgen, ob es dem Kind bei bestehender Stillbeziehung schwerer fällt, sich “abzunabeln”, ob die Eingewöhnung an der Mutterbrust scheitert und abgestillt werden sollte und wie es der Mama eigentlich während der Trennung geht. Ich kann natürlich nicht für alle sprechen, gerne erzähle ich aber aus unserem persönlichen Nähkästchen und kann vielleicht dem ein oder anderen die Angst nehmen. Wenn ihr eure Stillgeschichte erzählen möchtet – weil sie ganz anders oder ähnlich ist wie meine – schreibt sie auf und schickt sie mir 🙂 es wäre mir eine Freude, sie hier zu veröffentlichen!

Kind 1: Tiefenentspannt / Kind 2: High Need Flaschenverweigerer

Bei Leo stellte sich die Frage der “Vereinbarkeit” nicht. Als er in in die Kita kam, war ich frisch mit Ella schwanger und die Milch blieb von einem auf den anderen Tag aus. (Leos Stillzeit? Liest du hier!) Für ihn war das kein Problem. Schon mit wenigen Monaten hat er problemlos Mutter- und später Ersatzmilch aus dem Fläschchen getrunken, wenn ich in der Uni oder auf der Arbeit war. Nennenswert mitgegessen hat er mit 1,5 Jahren, bis dahin gab es zuhause und auch in der Kita Pulvermilch und ab und an ein Gläschen Babynahrung.

Bei Ella sah das ganz anders aus. Angesichts der katastrophalen Kitaplatz – Situation hatten wir sie zwar frühzeitig angemeldet, allerdings kamen mir aus verschiedenen Gründen starke Zweifel, als unerwartet die Zusage ins Haus flatterte. Einer davon: wir stillen noch, und zwar voll. Und als Sahnehäubchen: Ella trank nicht aus der Flasche und ließ sich nur an meiner Brust beruhigen. Wer ihr mit einem Schnuller kam, wurde mit lauter Empörung belohnt. Feste oder semifeste Nahrung löste ähnliche Begeisterungsstürme bei ihr aus. Nicht unbedingt die besten Bedingungen für die anstehende Eingewöhnung. Dazu kam, dass wir statt im August, schon im April mit der Eingewöhnung starten mussten. Zu dem Zeitpunkt war Ella noch nicht ganz ein Jahr alt.

Stillkind = Kitakind

Stillkind = Kitakind

Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert…

Mein erster Gedanke: nö! Das klappt nie im Leben. Den Stress tun wir uns nicht an. Mein zweiter Gedanke: Shit. Wer weiß, wann und ob wir überhaupt einen Platz für Ella bekommen, wenn wir diesen hier ablehnen. Zumal die Kita ein absolutes Träumchen ist: Im U3 Bereich kommen 4 Betreuer auf 8-10 Kinder. Außerdem würde Ella in Leos Gruppe kommen und die gleiche Bezugsbetreuerin wie er haben. Besser konnten wir es uns nicht wünschen. Nur, wie sollte das gehen, so ohne Mamabrust?

Immer wieder hatten wir versucht, sie behutsam an die Flasche heranzuführen. Mit mir im Raum und mit mir außer Sichtweite. Nach dem Stillen (glücklich und zufrieden) und vor dem Stillen (hungrig und mit Apettit). Es war nichts zu wollen. Die verschiedensten Flaschenmarken haben wir durchprobiert. Ella blieb eisern: Nein, aus der Flasche trink ich nicht! Irgendwann habe ich mir eingestanden: es ist kein Mythos, es gibt sie, die Flaschenverweigerer. Sogar mit dem Becher haben wir es versucht. Gleiches Ergebnis: Milch überall, nur nicht in des Kindes Bauch.

… Tausend und eine Nacht und es hat Zoom gemacht

Abstillen kam für mich nicht infrage. Wie auch, wenn Ella nichts außer der Brust in ihren Mund lässt (von allem anderen mal abgesehen). Mit der Eingewöhnung vor der Nase haben wir dennoch einen letzten Versuch gewagt, diesmal mit der so ziemlich letzen Saugerform, die wir noch nicht gekauft hatten. Zack! Gluck! Das Kind, es trinkt. Weiß der Geier, warum es jetzt plötzlich funktionierte. Vielleicht war sie mit 10 Monaten einfach so weit, vielleicht fand sie die Passform und den langsamen Milchfluss der Flasche angenehmer, weil es meiner Brust am ähnlichsten war? Keine Ahnung…

Stillkind = Kitakind

Stillkind = Kitakind

Das Vorgespräch

in der Kita haben wir genutzt, um Ellas Einschlaf- und Still/Fläschchenvorlieben zu besprechen. Zuhause habe ich sie immer nach Bedarf gestillt. Manchmal lagen zwei Stunden zwischen den Mahlzeiten, manchmal kam sie alle 15 Minuten oder hat stundenlang “geclustert”. Außerdem brauchte sie das Saugen zur Beruhigung und schlief ausschließlich an der Brust oder auf mir liegend ein. Selbst der Papa wurde nur in Maßen als Vertrauensperson akzeptiert und Ablegen ging garnicht. Die besten Vorraussetzungen für eine Katastrophe.

Wir wollten es dennoch wagen. Ja, auch um den Platz nicht zu verlieren. Entscheidend aber war mein Akku. Neun Monate Schreibaby, neun Monate lang hatte ich nur wenige Minuten am Tag ohne direkten Körperkontakt. Ich war emotional und langsam auch körperlich am Ende. Ich brauchte dringend Unterstützung und Zeit zum Durchatmen. Zeit um mich selbst wieder wahrnehmen zu können und dem Burnout die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Das scharrte schon ganz ungeduldig mit den Hufen.

Die Eingewöhnung lief bei uns angelehnt an das Berliner Modell. Außerdem habe ich von Anfang an zwei Bedingungen gestellt:

1. Wir richten uns nach Ellas Tempo. Wenn sie nicht bereit für eine Trennung ist, dann findet auch keine statt. Auch, wenn ich mich damit unbeliebt machen sollte.

2. Auf dem Papier haben wir die Vollzeitbetreuung “gebucht”, für den Fall der Fälle. Wie lange Ella tatsächlich dort bleibt, wollen wir erst nach der Eingwöhnung entscheiden.

2. Wenn Ella sich absolut nicht wohl fühlt, brechen wir ab. Dann muss eine andere Lösung her. Nicht jedes Kind ist für die Kita geschaffen, egal ob mit Pulver- oder Muttermilch im Magen.

Mit diesem Versprechen an uns selbst, machte ich mir auch plötzlich keine Sorgen mehr. Kein Druck von Außen, keine Erwartungen, die enttäuscht werden können. Nur eine gute Portion Hoffnung und Neugier auf einen potentiell neuen Lebensabschnitt.

Wie es weiterging, gibt es in Teil 2 zu lesen.

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